Willkommen auf unserer Tagungsseite

Auf dieser Seite informieren wir über die Tagung „Audiovisuelle Rhetorik brisanter Diskurse“, die vom 8. bis 10. Juni 2018 auf dem Campus Koblenz der Universität Koblenz-Landau stattfindet. Hier finden Sie alles Wissenswerte zum Programm, zur Anmeldung, Anreise und zu Übernachtungsmöglichkeiten.

„Die Frau im Bild. Zur visuellen Darstellung politisch aktiver Frauen.“ Vortragszusammenfassung

Professorin Francesca Vidal (Universität Koblenz-Landau) beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit dem Frauenbild in der Politik – ein, wie sie gleich zu Beginn betonte, relevantes Thema, das behandelt werden müsse. Der Fokus lag dabei auf der historischen Entwicklung der Darstellung der politisch engagierten Frau.

Zunächst befasste sich Professorin Vidal mit den heutzutage immer noch existierenden Stereotypen, welche die Repräsentation von Geschlechtern bestimmen. So werden Frauen eher affektive Eigenschaften zugeschrieben: Männer gelten als durchsetzungsstark und rational, Frauen hingegen als warmherzig und vorsichtig. Unsere Ansichten werden dabei auch durch die Medien beeinflusst, da sie bestimmte Geschlechterbilder darstellen und konstruieren. Dementsprechend beeinflussen mediale Repräsentationen auch unsere Wahrnehmung von Politikern und Politikerinnen.

Professorin Vidal wies darauf hin, dass es in politischen Ämtern schon immer weniger Frauen als Männer gebe. Auch heutzutage sei es unbestreitbar, dass das weibliche Geschlecht in der politischen Welt unterrepräsentiert ist. Politik sei weiterhin eine Männerdomäne, ein hartes Männergeschäft, in dem sich Frauen erst durchsetzen müssen. Je höher die politische Ebene, desto weniger Frauen seien vertreten. Dies zeige sich auch aktuell im Bundestag, in dem der Anteil weiblicher Abgeordnete in den Fraktionen deutlich geringer ist.

Im Folgenden erzählte Professorin Vidal vom langen Kampf um das Frauenwahlrecht, das in Deutschland seit 100 Jahren existiert und als staatspolitischer Meilenstein betrachtet wird. Weltweit gesehen sei der Kampf um die Rechte der Frauen eine beständige Herausforderung gewesen. In der Schweiz hing das Frauenwahlrecht beispielsweise von einer männlichen Volksabstimmung ab – dort wurde es erst 1971 eingeführt. Um das damalige gesellschaftliche Frauenbild zu veranschaulichen, zeigte Professorin Vidal unter anderem Wahlplakate aus der Schweiz aus den 1920er-, 1940er- sowie 1960er-Jahren. Als weiteres Beispiel für die Entwicklung des Frauenbildes diente das Stereotyp der mütterlichen Frau, das uns bis in die Gegenwart begleiten sollte. So stellte bereits 1919 die Deutschnationale Volkspartei auf einem Wahlplakat Mütterlichkeit als zentralen Auftrag aller Frauen dar. Doch auch fast 100 Jahre später, ist der Typus der fürsorglichen Mutter nicht aus der politischen Welt verschwunden, wie Frauke Petry (damals AfD) 2017 mit einem – jedoch umstrittenen – Wahlplakat bewies: Sie zeigte sich mit ihrem eigenen Kind, um sich als mütterlich zu präsentieren und somit ihr öffentliches als auch parteiinternes Image aufzubessern.

Professorin Vidal kam in ihrer Ausführung zu dem Fazit, dass Geschlechterstereotype heutzutage noch immer verfestigt seien. Alle Parteien setzen sie weiterhin ein, was die historische Entwicklung der Darstellung von Frauen auf Wahlplakaten demonstriere.

„Visueller Diskurs in Sozialen Medien“ Vortragszusammenfassung

Prof. Dr. Ralph-Miklas Dobler, seines Zeichens Professor für Kunst- und Medienwissenschaften an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München, sprach in seinem Vortrag „Visueller Diskurs in sozialen Medien“ über die zunehmende Verwendung und somit über die Allgegenwärtigkeit des „Visuellen“ in sozialen Medien.

Beschäftigen sich spätestens seit dem „Iconic Turn“ wissenschaftliche Disziplinen wie die Philosophie, Literaturwissenschaft, Filmwissenschaft, Medienwissenschaft usw. mit Bildern, so sei es laut Dobler besonders im Bezug zu Sozialen Medien wichtig, dass sich auch die Kunstwissenschaft mit ihrem Instrumentarium und Handwerkszeug in diese Debatte mehr einbringe.

Schwierig sei es vor allem, festzumachen, was brisante Diskurse in sozialen Medien ausmachten, so Dobler: Sind es etwa Einzelbeiträge oder gar alle Beiträge zu einem bestimmten Thema, die einen Diskurs konstituieren? Zumindest konstatiert Dobler, dass durch die weltweite Vernetzung die Verbreitung von Wissen ausgeweitet sei, dass die Empfänger eines Beitrags noch nie so undefiniert wären wie heute und dass die Kommunikation in Sozialen Medien beschleunigt sei – geradezu in Echtzeit stattfinde und Politiker zu Sofortpolitik zwinge. Zudem erscheine ein Bild in Sozialen Medien als „Bildschirm zur Wirklichkeit“ und transportiere Realität und Wahrheit.

Im Folgenden ging es Dobler darum, die unterschiedliche Verwendung von Bildern im politischen Kontext zu erläutern, da Bilder immer kritisch in ein Verhältnis zur Realität zu setzen seien – sprich: in Worte zu fassen seien. Als Fallbeispiele wählte Dobler die Instagram-Inszenierungen zweier politischer Treffen: Zum einen das Zusammentreffen Angela Merkels und Donald Trumps im April 2018, zum anderen den kurz darauffolgenden Staatsbesuch Emmanuel Macrons in Washington. Dabei fiel neben der unterschiedlichen Anzahl an Bildern, die die Akteure auf ihren Instagram-Accounts hochgeladen haben, auf, dass die Gewichtung der Bilder sehr unterschiedlich war. Macron zeige auf seinen Veröffentlichungen zumeist große Gesten wie Umarmungen, Händedrücke o. ä. und betone zum einen die französisch-U.S.-amerikanische Freundschaft, inszeniere sich andererseits aber auch als starker Politiker. Merkel hingegen inszeniere sich vor allem als eloquent und wolle mit ihren Gesten Eindruck hinterlassen.

Auch der Islamische Staat, so Dobler weiter, mache sich die Macht von Bildern zu Nutze, indem er eine an den Westen angelehnte Bild- und Filmästhetik in seinen Hinrichtungsvideos verwende. Dabei dienten dem IS die Hinrichtungen nicht vorrangig der Bestrafung der zu sehenden Einzelpersonen, sondern vielmehr der Produktion neuer Bilder, die durch ihre Verbreitung in Sozialen Medien Angst und Terror schüren sollen.

Zusammenfassend merkte Dobler an, dass es vor allem in den Sozialen Medien zu einer „Totalisierung des Imaginären und Bildhaften“ komme. Dabei erhöhe gerade in den Sozialen Medien die Vervielfältigung von Bildern den Wert ebendieser. Zudem veränderten sich die Wahrnehmungs- und Rezeptionsstrukturen der Sozialen Medien als Live-Medien durch ihren „Always on“-Charakter.

(Verfasser: Johannes Kugel)

„Hass und Hetze im Netz: Zur Verletzungsmacht mediatisierter Sprechakte in Sozialen Medien“. Vortragszusammenfassung.

Der Vortrag von Alicia Sommerfeld und Alana Knickmann (beide Studentinnen der Uni Koblenz) handelte von „Hate Speech“ im Netz sowie dem Begriff der „Lügenpresse“ und trug den Titel: „Hass und Hetze im Netz: Zur Verletzungsmacht mediatisierter Sprechakte in Sozialen Medien“.

Alicia Sommerfeld leitete den Vortrag mit „Hate Speech“ Zitaten aus dem Internet ein und zeigt auf diesem Weg schon zu Beginn welchen Einfluss diese gewaltsamen Äußerungen auf ein Publikum haben können. Im Zeitalter der Digitalisierung hat sich Hass und Hetze im Netz immer weiter ausgebreitet und ist leider keine Seltenheit mehr.

Um die Auswirkungen und Macht der gewaltsamen und beleidigenden Äußerungen, die sich im Netz wie ein Lauffeuer verbreiten, zu verstehen und analysieren zu können, wurden zunächst die Begriffe der Sprache sowie des Körpers versucht zu klären. In diesem Zusammenhang wurde Judith Butler zitiert, die sich intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt und dadurch festgestellt hat, dass der Mensch aus Sprache gemacht ist. Mit dieser Aussage wird deutlich, dass Sprache die Macht hat uns physisch zu verletzten. Auch wenn die gewaltsame Anrede über das Netz stattfindet, also die Distanz zwischen den Kommunikationspartnern groß sein kann und keine direkte zeitliche Abfolge gegeben ist, wird der menschliche Körper gewaltsam angegriffen. Der Körper hört nicht bei der Haut auf, sondern auch mediatisierte, eigentlich “körperlose“ Gewalt aus dem Internet haben einen Effekt auf uns. Dass der menschliche Körper schon lange nicht mehr von der Technik getrennt werden kann, wird durch technische Entwicklungen wie beispielsweise „Augmented Reality“ und medizinische Ferndiagnosen deutlich. Der Körper scheint nicht mehr nur physisch an einem Ort zu existieren, sondern wirkt fluide. In diesem Zusammenhang lässt sich auch der audiovisuelle Aspekt verorten, denn wie auch das traurige Beispiel von Amanda Todd aus Kanada zeigte, sind Bilder und auch Videos, die einmal im Netz verschwunden sind, selten wieder einzufangen.

Die zweite Referentin, Alana Knickmann, fokussierte sich im zweiten Teil des Vortrags auf den Begriff der Lügenpresse. Dieser Begriff steht wie ein Synonym für ein schon immer schwieriges Verhältnis zwischen Politikern und Journalisten. Denn „Lügenpresse‘“ ist kein neues Wort. Alana Knickmann hatte bereits im Rahmen ihrer Bachelor Arbeit das Auftreten des Begriffs analysiert und stellte im Vortrag ihre Ergebnisse vor. So hatte sie herausgefunden, dass „Lügenpresse“ seit Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks bis ins Jahr 2000, besonders in vier Hochphasen verwendet wurde. Die erste Phase war bereits im 16. Jahrhundert der Katholischen Kirche geschuldet, die die Reformationsbewegung der „Lügenpresse“ beschuldigte. Zwei weitere Hochphasen fanden sich im 20. Jahrhundert während des 1. Weltkriegs und der Zeit der Nationalsozialisten. Die vierte Phase begann jüngst in 2014 mit dem Aufkommen der AfD und den PEGIDA Montagsdemonstrationen. Diese letzte Hochphase war in der Hinsicht eine Besondere, dass die Digitalisierung den Begriff seit der ersten Nennung des Begriffs am 11.01.2015 in einer unglaublichen Geschwindigkeit im Internet verbreitet hat. So wurde „Lügenpresse“ nur drei Tage später zum Unwort des Jahres gewählt.

Generell hat sich der Begriff sehr schnell im Bereich des Rechtspopulismus etabliert. Häufig werden Journalisten bei Pressekonferenzen den Räumlichkeiten verwiesen und es werden journalistische Fehler propagiert, wie beispielsweise bei der Berichterstattung über die Ukraine Krise. Dies wird durch einige Widersprüche im Qualitätsjournalismus verstärkt, so bestätigte zum Beispiel der „Willkommensjournalismus“ einige Vorwürfe der Rechtspopulisten. Zudem finden viele Menschen ihre Meinung nicht mehr in den Qualitätsjournalismus wieder und greifen auf alternative Medien zurück. Diese Entwicklung sollte als Chance gesehen werden, den Pressekodex und das neutrale und wahrheitsgemäße Berichten wieder ernster zu nehmen.

„Autokatalyse im virtuellen Diskurs. Zu einem Phänomen digitaler Kommunikation.“ Vortragszusammenfassung.

Prof. Dr. Rainer E. Zimmermann (Berlin) referierte zum Thema „Fake News“, deren historische Entwicklung und Verbreitung durch das Internet. Der Titel seines Vortrags lautete: „Autokatalyse im virtuellen Diskurs. Zu einem Phänomen digitaler Kommunikation.“

Professor Zimmermann stellte bereits zu Beginn seines Vortrags klar, dass „Fake News“ keinesfalls ein neues Phänomen unserer modernen Zeit sei, sondern dass es nur unter einer neugewählten Perspektive liege. Als Beispiel wurde auch der viel und kontrovers diskutierte Präsident der Vereinigten Staaten genannt, welcher als Person mit seiner verblüffend unverhüllten Art und Weise an sich nicht neu sei. Neu sei nur die Tatsache, dass eine solche Person in ein Amt, wie das des Präsidenten der USA, gelangen könne und zwar, weil er vom Volk gewählt wurde. Das Phänomen Donald Trump sei also bereits im Feld der Möglichkeiten angelegt gewesen und war genauso wie die „Fake News“ nur noch nicht in dieser Form zum Vorschein gekommen.

„Fake News“ haben auch vor der Wissenschaft keinen Halt gemacht. So führten meist „esoterische oder pseudowissenschaftliche Auffassungen [, die] als eigenständige, ernstzunehmende Theorien präsentiert [wurden]“ dazu, dass sich falsche Theorien oder gar Verschwörungstheorien verbreiten ließen. Häufig sei dies auch durch schlecht durchgeführtes interdisziplinäres Arbeiten zustande gekommen. Denn bei der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen, bestehe häufig die Gefahr, dass ein Gebiet zu weit ausgedehnt werde und der eigentliche Fokus untergehe. Außerdem haben die einzelnen Wissenschaftler zwar viel Wissen über ihren eigenen thematischen Bereich, jedoch nicht über den jeweils anderen und so könne das Rahmenthema aus den Augen verloren werden.

Um dies und auch fälschliches Wissen jeglicher Art zu vermeiden, sei das Studium der Literatur essenziell und Professor Zimmermann verdeutlichte dies anhand eines längeren Zitats aus dem zweiten Roman Umberto Ecos, „Das Foucaultsche Pendel“, welches veranschaulichte, dass das Thema bereits vor 30 Jahren ausführlich behandelt worden war.

Die mediale Situation der Vergangenheit, die mit Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks begann und durch Filme usw. ergänzt wurde, habe sich dahingehend verändert, dass heute der digitale Raum besteht, welcher Autoren die Möglichkeit gebe anonym zu bleiben. Zum anderen habe sich durch die Digitalisierung eine Verbreitungsorientierung entwickelt, welche die Quantität der Qualität vorziehe und so die Autokatalyse als solche möglich mache und auch beschleunige. Denn Autokatalyse ist im weitesten Sinne „[…] die Selbstverstärkung des in Frage stehenden Prozesses: Dieser Begriff entstammt ursprünglich der Chemie und beschreibt einen Stoff, der in Verbindungen seine eigene Produktion verstärkt. Das heißt, je mehr von ihm vorhanden ist, umso größer seine künftige Produktionsrate.“ Zu Zeiten der aus Papier hergestellten Bücher habe es dieses Phänomen zwar auch gegeben, es handele sich jedoch um eine weitaus weniger ausgeprägte Version der heutigen Autokatalyse.

Als Fazit stellte Professor Zimmermann fest, dass der öffentliche Diskurs zwar ohnehin autokatalytisch verfasst sei, da sich Unsinn meist besser verbreiten lasse als Sinn, dass dieser aber erst durch die Digitalisierung entfesselt worden sei. Denn während anonyme „Fake News“- Autoren zu Zeiten des Buchdrucks in geringen Zahlen auftraten und nach kurzer Zeit wieder aus dem Diskurs verschwanden, ermögliche die Digitalisierung, dass jeder Mensch als anonymer Autor von „Fake News“ im Netz auftreten könne – und was einmal im Netz gelandet ist, verschwindet nicht so schnell.

Abendveranstaltung mit Micha Brumlik – Vortragszusammenfassung

Der Erziehungswissenschaftler und Publizist Prof. Dr. Micha Brumlik (Berlin) beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Titel „Das Identitäre Projekt – Antikapitalismus und Antiglobalismus zur Rettung des ‚Eigenen’“ mit der Neuen Rechten. Insbesondere ging er dabei auf die Identitäre Bewegung, eine politisch weit rechts stehende Jugendbewegung innerhalb der Neuen Rechten, ein und referierte über ihre Entstehung, die ihr zugrundeliegenden theoretischen Grundlagen bzw. Überlegungen und somit auch über ihre bekanntesten Vordenker.

Vor allem in Österreich sei die Identitäre Bewegung zahlenmäßig gut aufgestellt, da ihr politisches Programm viele Überschneidungen mit den Programmen von konservativen und rechtsgewandten Parteien wie der ÖVP oder FPÖ aufweise, so Brumliks Ausgangsthese. Programmatisch gehe es der Identitären Bewegung dabei um die „Rettung des Eigenen“: Bewahrt werden müsse in diesem Sinne das eigene Territorium, die eigene Ethnizität, das eigene Sozialwesen und die eigene Form der Demokratie – mit anderen Worten: Kapitalismus, Globalismus, Immigration, Multikulturalismus oder gar eine Islamisierung seien unerwünscht.

Deklamatorisch nehme die Identitäre Bewegung Abstand von dem Begriff des „Rassismus“, so Brumlik weiter. Vielmehr propagiere sie unter dem Deckmantel eines „Ethnopluralismus“, dass alle Ethnien gleich viel wert und somit zu schützen seien. Ein Menschsein könne nur in der gesellschaftlichen Ethnie entfaltet und realisiert werden. Auffällig sei zudem laut Brumlik die Übernahme von Aktionsformen der neuen Linken: So brachte die Identitäre Bewegung in Deutschland im Jahr 2016 ein Banner mit der Aufschrift „Sichere Grenzen – Sichere Zukunft“ am Brandenburger Tor in Berlin an.

Dass die Identitäre Bewegung mit Bedacht vorgeht und durchaus intellektuell bewandert ist, zeigt die Wahl des griechischen Buchstabens Lambda für deren Logo. Brumlik verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass der Buchstabe Lambda für „Lakedaimon“, dem antiken Namen Spartas, stehe. Somit verweise die Nutzung dieses griechischen Buchstabens auf die Schlacht bei den Thermopylen, bei der die Spartiaten den Persern, die Griechenland überfielen, gegenüberstanden und Sparta zu verteidigten suchten. Inspiriert wurde Identitäre Bewegung bei der Gestaltung ihres Logos wohl von dem Hollywood-Blockbuster „300“, der eben die Schlacht bei den Thermopylen zum Thema habe, so Brumlik.

Zu den Vordenkern des rechtsextremen Front National und somit auch der Identitären Bewegung gehört bspw. der französische Philosoph Renaud Camus: In seinem Buch „Le grand remplacement“, das 2012 in Deutschland im neurechten und von Götz Kubitschek geleiteten Verlag Antaios erschienen ist, spreche Camus davon, dass das Volk in einer Generation durch ein oder mehrere andere ersetzt werde. Das Volk werde, auf Brecht rekurrierend, für die Regierenden ausgetauscht, so Brumlik.

Brumlik geht zusammenfassend von sieben Grundannahmen aus, die die Identitäre Bewegung vertritt und die diese ausmachen:

  1. Dasein ist völkisch bzw. ethnisch.
  2. Der Lebensraum für Ethnien ist begrenzt. Grenzen haben demnach große Bedeutung.
  3. Kultur ist homogen und raumbezogen.
  4. Rangordnungen sind zu rehabilitieren und als achtenswert und richtig anzusehen.
  5. Digitalisierung und Globalisierung entfremden die Menschen ihres Lebens.
  6. Migrationsströme sind strategisch erzeugt und/oder gelenkt im Sinne eines amerikanischen bzw. heimischen Kapitals, das Interesse an billigen Arbeitskräften besitzt.
  7. Das Kapital verwüstet die Erde. Identitäre treten für Ökologie ein. Die Verwüstung der Erde ist zu beenden.

 

(Verfasser: Johannes Kugel/Hannah Maser)

„Designanalyse der ‚Neuen Rechten'“ Zusammenfassung der Datensitzung

In der von Dr. Stefan Meier (Universität Koblenz-Landau) geleiteten Datensitzung beschäftigten sich die TagungsteilnehmerInnen mit dem Kampagnenvideo „120 Dezibel“ aus dem Umfeld der Identitären Bewegung, dessen Titel auf die Lautstärke eines handelsüblichen Taschenalarms anspielt. Zu Beginn stellte Meier als Ausgangspunkt und Grundlage für die Analyse des Videos die wichtigsten Merkmale der Identitären Bewegung vor: Sie sei eine nationalistisch-islamophobe Protestkultur der Neuen Rechten, die nicht offenkundig rückwärtsgewandt völkisch agiere, sondern die verschiedenen Ethnien Europas im Sinne eines „Ethnopluralismus“ zu schützen suche. Zu ihren Mitteln gehöre ein offensives Branding im öffentlichen Raum und in den Medien – quasi also eine Etablierung der „Marke“ Identitäre Bewegung. Ihre Strategie, so Meier weiter, sei vor allem die Übernahme linker „Kommunikationsguerilla-Taktiken“ durch die eigene symbolische Besetzung „feindlicher Orte“ und damit der symbolischen Abwehr einer „islamischen Bedrohung“ – man denke dabei an Aktionen am Brandenburger Tor in Berlin oder an der Hohenzollernbrücke in Köln.

Das Kampagnenvideo „120 Dezibel“ zeigt verschiedene jüngere Frauen, die wiederholt die Namen dreier Frauen nennen, die Opfer von Gewaltverbrechen wurden, die von Tätern mit Migrationshintergrund begangen wurden. Sie werfen den Rezipienten vor, von den Vorfällen gewusst zu haben, aber nichts für deren Schutz getan zu haben.

Bei der Analyse des Videos wurde deutlich, dass die Akteurinnen sich einerseits als Opfer inszenieren, andererseits die Rezensenten vehement anklagen und gegen Ende des Videos fast schon aggressiv dazu aufrufen, sich gegen die vermeintlichen Bedrohungen zu wehren. Das Video ist bewusst amateur- bzw. laienhaft inszeniert – jede Stimme der zu sehenden Frauen soll als eine Stimme des Volkes wahrgenommen werden. Die unterlegte Musik des Videos greift eindeutig das Klischee einer dramatisierenden „Hollywood-Filmmusik“ auf und unterstützt somit den rebellischen Charakter und das vorgetragene Pathos. Zusammenfassend erarbeiteten die TagungsteilnehmerInnen, dass die Identitäre Bewegung und ihr Umfeld – wie Dr. Stefan Meier es bereits in seinem Vortrag „Zum politischen Design des Rechtspopulismus“ betonte und zeigte – sich parasitär Vorgehensweisen anderer Gruppen aneignen und in ihrem Sinne auslegen. So bezeichnet der Begriff „Femonationalismus“ in diesem Kontext, dass der im Video propagierte Feminismus kein wahrer, sondern ein gekaperter ist, der sich an verschiedene Diskurse wie „#Aufschrei“ oder „#MeToo“ anschließt und diese in seinem Sinne mit neuer Bedeutung und Sinn zu belegen versucht. So diene das Kampagnenvideo „120 Dezibel“ letztlich nicht der Stärkung der Frauen im Sinne eines „wahren“ Feminismus, sondern versuche, vornehmlich Muslime zu diffamieren und einer vermeintlich drohenden „Islamisierung“ entgegenzuwirken, so das Ergebnis der Datensitzung.

(Verfasser: Johannes Kugel)

„Multimodale Diskursanalyse eines Wahlwerbespots von Donald Trump“ Zusammenfassung der Datensitzung.

Am Samstagnachmittag bildeten sich nach dem Mittagessen zwei Gruppen für die Datensitzungen. Das Ziel von Gruppe 1 war es, einen Wahlwerbespot von Donald Trump aus seinem Wahlkampf 2016 genauer unter die Lupe zu nehmen und so die verschiedenen Diskurse multimodal zu analysieren. Professor Klemm leitete die Sitzung zunächst mit einigen Ausschnitten aus verschiedenen Wahlwerbespots von Donald Trump ein, in denen bereits deutliche wurde, wie sehr der Fokus auf die Person Donald Trump, aber auch auf Hillary Clinton in der Rolle der Rivalin und Vertreterin des „bösen“ Establishment, gelegt wurde. Anschließend wurde kurz die Methodik vorgestellt, welche den Begriff der Sozialsemiotik aber auch die kritische Diskursanalyse thematisierte und grundlegende Bildbezüge bzw. Funktionen des Kommunikats verdeutlichte.

In der darauffolgenden Diskussion zum Wahlwerbespot, fiel der Gruppe besonders die musikalische Gestaltung auf und es wurde zusammengetragen, dass die Musik der musikalischen Unterlegung von Spielfilmen ähnelt und sehr eindrucksvoll Stimmungen und Emotionen hervorruft. Zudem wurde festgestellt, dass für einen harmonischen Eindruck der Rhythmus der Musik auf die Schnitte abgestimmt wurde. Des Weiteren vermittelte die musikalische Gestaltung einen klaren Spannungsbogen und es wurde klar, dass sie im Nachhinein passend für den Film komponiert worden war. Sehr auffallend war außerdem die unterschiedliche Machart, Farbgebung  und Bearbeitung der Bilder. Während Donald Trump im Vordergrund der strahlenden blauen und roten Farben seiner Wahlkampagne zu sehen ist, wirken die Bilder auf denen Hillary Clinton, Finanzminister, Bankenchefs aus aller Welt oder auch das Kapitol zu sehen sind, eher farblos und verpixelt. Auch die Perspektive wurde bewusst gewählt, so wurde die Untersicht größtenteils vermieden und Trump ist eher mitten im Volk zu finden ist – auf Augenhöhe. Im zweiten Teil des Spots wird deutlich, dass Donald Trump, der im ersten Teil aus dem Off zum Zuschauer spricht, eigentlich eine Rede hält. Der Übergang wird durch die verstummende Musik verdeutlicht und in der kurzen Pause, die dadurch entsteht, ist aufbrausender Jubel zu vernehmen. Während er dann seine Rede, nun nicht mehr aus dem Off, mit ruhiger und ernster Stimme fortsetzt, wird deutlich, dass jedes Wort eigens ausgewählt wurde. Er vermeidet beispielweise die Ich-Form und verwendet Pronomen wie „Wir und „Uns“ um die Masse direkt anzusprechen und ein Gemeinschafsgefühl hervorzurufen. Es gab noch viele weitere Erkenntnisse während der Datensitzung, jedoch lässt sich zusammenfassen, dass jedes einzelne Detail in diesem Wahlwerbespot systematisch verwendet und aufeinander abgestimmt wurde, was im Gesamtbild einen beachtlichen Spot ergibt.

„Multimodal Doing Populism. Wahlkampfstrategien populistischer Bewegungen.“ Vortragszusammenfassung

„Der Kampf und Erhalt und Verlust der Macht ist (…) immer auch ein Kampf der Bilder.“ (Jung 2006)

Professor Klemm eröffnete den zweiten Tag der Tagung mit dem Thema „Multimodal Doing Populism“. Darin erörterte er die Art und Weise, wie durch multimodale Aspekte Formen des Populismus entstehen. Die Macht der Bilder beziehungsweise die Bilder der Macht hat ihren Ursprung in ihrem ideologischen Potential. In der Theorie der audiovisuellen Politik geht es darum, dass Bilder erst in einem politisch interpretierbaren Kontext und Diskurs an diskursiver Relevanz gewinnen. Wie verhält es sich demnach mit der Selbstinszenierung von öffentlichen Personen und vor allem Politikern ohne einen journalistischen Filter?

Professor Klemm verweist darauf, den Fokus der rhetorischen Analyse von Bildern und die audiovisuelle Kommunikation auf den Konnotaten statt den Denotaten zu setzen. Politiker müssen bei ihrer konsistenten Imagekonstruktion darauf achten, was sie wie darstellen. Die jeweilige Strategie der Inszenierung müsse zur Biographie und Generation passen, dabei unter anderem die Weltanschauung der vertretenden Partei nicht außer Acht lassen.

Gibt es unter diesen Aspekten Grenzen zwischen politischer Inszenierung und Populismus? Die „dünne“ Ideologie des Populismus charakterisiere sich als die Stimme der schweigenden Mehrheit durch starke griffig-parolenhafte Kritik am herrschenden System, am sogenannten „Establishment“. Die Demokratie gerät dadurch oft in ein Dilemma. Hat sie auf der einen Seite den Anspruch den Willen des Volkes zu repräsentieren, wohnt der Demokratie aufgrund ihrer Freiheitsrechte stets selbst der Protest des Volkes inne.

Professor Klemm kam in seiner Ausführung zu dem Fazit, dass die Grenzen zwischen legitimer demokratischer und populistischer Inszenierung immer fließender sind. Betrachtet man unter anderem die politische Inszenierung von einigen Politikern wie Trump oder Macron. Jegliche Wahlwerbung solle aus dem Grund einer kritischen multimodalen Diskursanalyse unterzogen werden, um die politisch relevanten Konnotate, aber auch die rhetorischen Konstruktionen herauszuarbeiten.

(Verfasser: Katherina Tustea)

„Gegenrhetorik. Adbusting von Wahplakaten“ Vortragszusammenfassung

Der Vortrag von Dr. des. Sascha Michel (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und PD Dr. Steffen Pappert (Universität Duisburg-Essen) am Freitagabend befasste sich mit Wahlplakat-Busting als einer Form von Adbusting.

Bei Adbusting handele es sich um das Zerstören von Werbekommunikation. Dabei handele es sich um eine Aneignungspraktik, die Werbung werde quasi zur Anti-Werbung gemacht. Adbusting, eine immerhin illegale Praktik, untergrabe die Machtverhältnisse im öffentlichen Raum und konstituiere einen transgressiven Diskurs. Das Ziel der Zerstörung sei Aufmerksamkeit, es werde aber kein Gegenentwurf zum ursprünglich beworbenen Inhalt kommuniziert. Das Adbusting bedeute auch eine Resemiotisierung durch die Modifizierung der Sehfläche: Das Plakat werde zum Ort eines Dialogs, da das Adbusting eine Reaktion auf die ursprüngliche Werbung verdeutliche. Es werden somit sowohl Bedeutung als auch kommunikative Funktion verändert.

Zusammen mit Studierenden haben Michel und Pappert etwa 680 Fälle von Wahlplakat-Busting dokumentiert und anschließend kategorisiert. Dabei wurde zudem versucht, zu verstehen, welche rhetorischen Ebenen (logos, pathos und ethos) des Ursprungsplakates durch welche neuen Funktionen ersetzt wurden. Die Kategorien wurden nach der jeweiligen Praktik und ihrer Funktion benannt, so ergaben sich (auszugsweise) Klassifizierungen wie „Zum Schweigen bringen“ für ein Zerstören der zentralen Botschaft des Plakats, „Quasi-Dialogizität/ Anschreiben: Widerlegen/ Kritisieren“ für Kommentare auf den Plakaten oder auch „Überkleben: imitieren, parodieren, verballhornen“ durch meist ironisches Ersetzen der Slogans mit Eigenkreationen.

In einem letzten Teil schlossen Michel und Pappert auch Gegenrhetorik-Praktiken im Netz in ihre Analyse ein, wo sich, mit einigen Ausnahmen übler Nachrede, vor allem humoristische und kreative Abänderungen der ursprünglichen Plakate finden lassen. Hier nutzen die betroffenen Politiker das Adbusting zudem als Gegenstand einer Meta-Kommunikation mit den Wählern: Wie jemand mit einem Adbsuting umgeht, wird Teil des Wahlkampfes.

Die Vortragenden schlossen ihre Ausführungen mit dem Aufruf, Wahlplakat-Busting nicht nur als Akt von Vandalismus, sondern vor allem als einen Teil der vielfältigen Landschaft politischer Kommunikation zu analysieren.

„Zur visuellen Gestaltung von Wahlkampfplakaten“ Vortragszusammensfassung

Professor Volker Friedrich (HTWG Konstanz) begann seinen Vortrag zunächst mit einer Beschreibung seiner Lehrtätigkeit an einer eher technisch orientierten Universität und mit Design-Studierenden. Die Lehre sei, wie seine Studierenden, sehr pragmatisch, wenig theoriebasiert und so müsse er, um Interesse an Rhetorik-Theorie zu wecken, immer auch einen praktischen Bezug zum Arbeitsumfelds eines Designers finden.

Dann stellte er eines der Projekte, bei dem dieser Bezug zwischen Theorie und Praxis gut gelungen war, vor: Im vergangen Wintersemester habe eine Gruppe von Master-Studierenden Methoden entwickelt, die Rückschlüsse darauf ermöglichen sollen, wie Wahlplakate gestalterische Wirkung entfalten können und wie man diese Wirkung erforschen könne.

Die Parteien gingen sehr professionell und ganz ähnlich wie Unternehmen mit dem Design im Wahlkampf um und entwickelten ausführliche Gestaltungs-Manuals, die vorgeben, was im Wahlkampf gestalterisch möglich und was nicht gewünscht ist. Dabei sei die Gestaltung nicht so voraussehbar, wie man vielleicht zunächst annehmen würde, was Professor Friedrich anschaulich demonstrierte, indem er die Tagungsteilnehmer bat, eine Reihe von Hausfarben aus dem letzten Wahlkampf den Parteien zuzuordnen- nicht so leicht wie gedacht.

Im Hauptteil seines Vortrags präsentierte Professor Friedrich einen Teil der von seinen Studierenden entwickelten designtheoretischen Methoden. An dieser Stelle sollen nicht alle wiederholt werden, sondern nur Beispiele gebracht werden: Eine Gruppe an Studierenden schlug vor, die Plakate auf ihre Grundkomposition zu reduzieren, also Ebene für Ebene das Design abzubauen. So ließe sich in einer Studie feststellen, welche Elemente für das Wiedererkennen der Parte ausschlaggebend seien. Ein zweiter Vorschlag tauscht die Slogans der Parteien untereinander aus, ließ aber die Grundkomposition unberührt. Diese Methode zeigte, dass die Kampagnen rein über die Gestaltung wiedererkannt werden, die Slogans spielten hierfür kaum eine Rolle: Das Plakat wird der richtigen Partei zugeordnet, egal, welche sprachliche Botschaft aufgedruckt wurde.

Professor Friedrich schloss seine Ausführungen mit der Feststellung, dass der Metier des Designers immer komplexer werde und die Lehre sich dieser Entwicklung anpassen müsse. Designer müssen ihre Entscheidungen informierter erklären und verteidigen können, was eine Ausbildung in der Art und Weise, wie Kommunikate Wirkung entfalten können, immer notwendiger macht. Dazu müsse die Lehre auch weiter mit Anwendungsbeispielen nah der Praxis arbeiten. Für seine eigene Forschung stelle Professor Friedrich sich weiterhin die Frage, wie Wahlplakate nicht nur pathos und ethos, sondern auch logos ansprechen (können).